Hero Quest - Das erste Brettspiel für echte Jungs!

Was waren da noch für Zeiten als man noch einen Kumpel fragte: "Hast du heute Zeit zum spielen?" Computerspiele waren dann nur selten gemeint, denn schließlich durften wir ja auch nicht jeden Tag an der Kiste daddeln. Wenn gutes Wetter war, dann wurde draußen gespielt. Wenn es schlecht war dann natürlich drinnen. Dort gab es ja auch noch viele tolle Alternativen. Eine supertolle Alternative kam 1989 in die Läden.

 

Hero Quest

 

Alleine die Fernsehwerbung machte damals große Kinderaugen. Das war nicht ein abstraktes Brettspiel wie Malefiz, Mensch ärgere dich nicht oder Mau Mau. Das war ein spielbares Kunstwerk! Detaillierte Figuren, ein großer Spielplan, verschiedene Charaktere, Ausrüstungen, Schätze, Möbel und vieles mehr. Jeder Junge war sich sicher: Das ist kein Spiel für Kinder - Das ist ein Spiel für richtige Kerle. Ein Barbar, ein Alb (eine Art Elf), ein Zwerg und ein Zauberer sollten sich gegen eine Übermacht von Orks, Skeletten, Zombies, Mumien, dem gefürchteten Hexer und dem riesigen Gargoyle stellen. Der Spielmeister geht dabei nach seinem geheimen Plan vor und steuert die Bösen. Die Guten versuchen Schätze zu finden, Fallen zu entschärfen und natürlich Gegner zu beseitigen, um an das Ziel der Spielrunde zu gelangen.

Dazu musste gewürfelt werden. Ein spezieller Würfel mit verschiedenen Symbolen gaben an, ob ein Angriff erfolgreich war oder nicht. Je kampfstärker der Spieler ist, desto mehr Würfel darf er werfen. Der Barbar liegt hier natürlich ganz weit vorne. Der Zwerg dagegen war ein wenig schwächer, kam jedoch gleich mit einem Werkzeugset zur erfolgreichen Fallenentschärfung daher. Der Alb glich die fehlende Kampfkrampf durch eine Handvoll Zauber aus und der Zauberer, wie der Name schon sagt, verstärkte sich durch ein ganzes Arsenal von verschiedenen Zaubern.

So richtig regelkonform haben wir das Spiel wahrscheinlich selten gespielt, denn die Regeln sind nach heutigen Maßstäben mehr als schwammig. Das Regelheftchen fasst nur wenige Seiten und einige Begriffe werden nur sehr mangelhaft oder eben gar nicht erklärt. Doch die Fantasie (damals noch Phantasie) ersetzte die fehlenden Passagen.

Ziel des Spiel war es nicht nur eine Mission zu meistern, sondern möglichst gleich eine ganze Kampagne. Dazu mussten Menschen aus Kerkern befreit, seltene Artefakte beschafft und Überbösewichter erschlagen werden. Am Ende einer jeden Mission konnten die Abenteurer ihre Beute gegen Ausrüstung in der Stadt tauschen. Schnell  hatten die Helden nun Kettenhemden, Bögen und Schwerter. Leider fiel hier die Auswahl sehr gering aus.

Das Spiel wurde umfassend erweitert. Die beiden berühmtesten Erweiterungen sind Karak Varn und Die Rückkehr des Hexers. Es gab auch noch weitere Addons, von denen die letzten nur noch in den USA erschienen sind.

 

Hero Quest hatte noch einen berühmten Science Fiction-Ableger namens Star Quest. Hier wird die Handlung in die Welt von Warhammer 40K verlegt und der Spieler kämpft sich durch individuelle Weltraumkorridore. Doch das ist die Geschichte eines anderen Blogeintrages.

 

Insgesamt muss ich im Nachhinein sagen, dass das Spiel wirklich für Kinderausgelgt war. Die Ausrüstung ist sehr einfach gehalten und wenn die Helden ein wenig Glück hatten, dann waren sie bereits nach 1 Mission so wohlhabend, so dass sie sich die besten Ausrüstungsgegenstände kaufen konnten. Auch war das Spiel ziemlich unausbalanciert. Der überempfindliche Zauberer musste sich immer sehr zurückhalten, während der Barbar stets mitten im Getümmel wuselte. Wenn man die Regeln einmal offiziell komplett erneuern und auf 2012-Erwachsenen-Niveau bringen würde, dann wäre das für die Spieler ein wahrer Segen.

 

Ich habe mir vor einiger Zeit ein komplettes und gut erhaltenes Hero Quest bei Ebay ersteigert, um mein eigenes, doch inzwischen lädiertes und nicht mehr ganz vollständiges HeroQuest, zu vervollständigen. Ich habe einige Figuren hübsch bemalt und so noch ein kleine Extraportion Flair eingebracht.

Nun habe ich 1 1/2 Hero Quest und bin für jeden Retrobrettspielabend gerüstet.

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