Da geht die Post ab!

Erinnert Ihr euch noch an diese kleinen Postfilialen? So eine Poststube war meistens folgendermaßen aufgebaut:

Die Einrichtung war spartanisch, aber zweckmäßig. Zumeist in dunkelbraunen Holztönen gehalten. Damals war schließlich alles dunkelbraun mit Holzfunier. An einem Tresen saß ein grummeliger Postschurke, der wahrscheinlich zur Sicherheit der Kunden, hinter dicken Glasscheiben außerhalb der Reichweite verweilen musste. Hier war sein Reich und jeder Kunde erst mal ein Eindringling.

Der leicht miefiger Duft verrät dem Kunden schon gleich, dass hier der Staatsbeamte nicht nur arbeitet, sondern auch lebt.

Häufig gab es auch mindestens eine Telefonzelle in so einer Postfiliale, die von nicht ganz so betuchten Menschen genutzt wurden oder eben für die Leute, die unterwegs kurz jemanden anrufen mussten. Man telefonierte sowieso nur kurz, denn das Telefonieren war noch eine richtig teure Angelegenheit, die Minutengenau berechnet wurde. Meine Oma hat sogar noch so eine Eieruhr mit der man seine Gesprächsdauer einschränken sollte. Heute alles unvorstellbar. Hätte ein Gymnasiallehrer aus der Zukunft den Begriff "Flatrates" an eine Tafel geschrieben und der Abijahrgang hätte raten sollen was das bedeutet, hätte dieser sich damals wahrscheinlich eher eine Mischung aus Flatulenz und Gastritis vorgestellt.

Wo wir gerade bei den jungen Hüpfern sind. Für die ganz kleinen wurde in jedem Postkabuff eine Briefwaage als Faszinator installiert. Diese befand sich fast immer direkt links vor der Reiche in den gläsernen Beamtenkäfig. Kinder drückten immer mit dem Finger auf die Waage und der Zeiger geht nach oben. Drückt man doller, dann ist der Zeiger ganz oben und drückt man dann noch doller, gibt es Ärger mit Mami und/oder dem grummeligen Staatsdiener. Schade. Ich habe bis heute noch nie jemanden seine Post selber wiegen sehen also müssen diese Dinger für die Kinder hingestellt worden sein.

Ist man dann von den Waage verscheucht worden, dann ist da noch das kleine Tischchen wo die Leute einen Stift an einer wabbeligen Kette und das kleine, muffige Schwämmchen zum Befeuchten der Briefmarken finden. (Schmeckt nicht!) Hier kann man sich ein Stück Papier nehmen und auf Papier rumkrickeln bis Mami und die Postgarnele fertig gequatscht haben.

 

Heute gibt es die kleinen Filialen nicht mehr und der Postgrummel ist zusammen mit dem Postleitzahlenvorzeigekasper namens Rolf verschwunden.

(Rolf war eine Art Handschuh, der den Menschen die neuen 5-stelligen Postleitzahlen nahe bringen sollte, aber eigentlich sehnt sich jeder Ü-30 heimlich nach seiner alten Nummer. Meine war 2240. Viel einfacher als 25746)

Jetzt sitzen da auch keine Beamte mehr hinter dem Tresen sondern freie Mitarbeiter. Jedenfalls steht das so auf dem Schild über der Warteschlange. "Bitte haben Sie Geduld. Der nächste freie Mitarbeiter steht Ihnen gleich zur Verfügung"

Tischchen und Kettenkuli gibt es häufig auch noch, jedoch das Schwämmchen ist wohl irgendwann aus hygienischen Gründen entfernt worden. Ich frage mich sowieso wer das immer wieder befeuchten sollte. Gab es damals da so etwas wie ein Briefmarkenbefeuchtergießkännchen? Mark Twain, bekannter Deutschhasser, hat sich schon über Ausdrücke wie "Generalstaatsverordnetenversammlungen“ und „Waffenstillstandsunterhandlungen“ aufgeregt. Da wäre ihm "Briefmarkenbefeuchtergießkännchen" gerade recht gekommen.

 

Insgesamt sieht es in den großen Postfilialen inzwischen eher aus wie in mittelgroßen Tankstellen. Es gibt nicht nur Sinnvolles, welches das Angebot der Post abrundet wie Briefpapier, Postkarten, Schreibzeug und Verpackungsmaterial, sondern auch Taschenrechner, Uhren, Reisespiele, Gutscheine für Onlineshops, Filme für Kinder und Erwachsene, Wimmelbildspiele und steinalte Programme für den PC, Matchbox Autos, Bastel- und Büromaterial, Schulzeug und Aufkleber.

Es fehlt eigentlich nur noch ein Grill oder zumindest eine Salatbar.

 

Die Post ist einfach nicht mehr das was sie mal war, aber postmodern wird sie bestimmt auch nicht.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0