Cineastische Doppelgänger

Als ich den Text über Endzeitfilme schrieb fiel mir mal wieder auf, wie oft sich Filme nicht nur thematisch, sondern auch zeitlich unheimlich ähneln. Du denkst, dass die Zeit nach 2000 einfallslos war mit seinen ganzen späten Sequels, Fortsetzungen, Remakes und unnötigen Prequels? Die 90er waren auch nicht viel einfallsreicher. Es war ein Zeitalter der Doppelgänger.

 

Doch gehen wir mal chronologisch vor:

 

 

Tombstone (1993) - Wyatt Earp (1994)

 

Vom Thema her sind sind sie identisch. Es geht um die Schießerei am O. K. Corral vom 26. Oktober 1881.

 

Der eine mit Kurt Russell und Val Kilmer, der andere mit Kevin

Costner, Dennis Quaid und Gene Hackman. Von der Starbesetzung also gut ausgeglichen.

 

Beide Filme wurden gleichzeitig gedreht und waren keine großen Erfolge.

Jedoch kostete Wyatt Earp 63 Millionen Dollar und brachte nur 25 Millionen wieder ein.

Tombstone erschien ein halbes Jahr später, kostete 25 Millionen Dollar und erzielte letztendlich 56 Millionen Dollar.

 

Insgesamt kann man sagen: 1:0 für Tombstone

 

 

Vulcano (1997) - Dante's Peak (1997)

 

Ein paar Jahre später gesellte sich der zweite Doppelgänger hinzu. Die beiden Katastrophenfilme haben wieder ein verblüffend ähnliches Thema. Doch schauen wir einmal genauer hin.

 

Volcano kann den Man in Black Tommy Lee Jones und Anne Heche aufbieten, während Dante's Peak den damaligen James Bond Darsteller Pierce Brosnan und Linda Hamilton (Sarah Connor in Terminator) kontert. Meiner Meinung nach wieder einmal Gleichstand.

 

Absoluteffektschwanger waren beide Filme und das in Zeiten als CGI noch nicht ganz aus den Kinderschuhen raus war. Dennoch kann Dante's Peak eher durch eine bessere Story und realistischeren Darstellung brillieren.

Das Team um Dante's Peak wurde mit Auszeichnungen belobigt; Volcano dagegen nur für den Negativpreis der goldenen Himbeere nominiert.

 

Klarer Sieg für Dante's Peak

 

 

Armageddon (1998) - Deep Impact (1998)

 

Ein Meteor bedroht die Welt! Einer? Zwei!

...und das fast gleichzeitig.

 

In beiden Filmen bedrohen Asteroiden die Welt. Ein Raumschiff muss gestartet werden und nach einer Menge an Effekten kommt es irgendwie zum Happy End. Doch schauen wir mal ein wenig genauer hin.

 

Deep Impact kann folgende Hollywoodgrößen auffahren: Robert Duvall, Morgan Freeman, Elijah Wood. Nicht schlecht.

Armageddon kann dieses aber locker überbieten mit: Bruce Willis, Ben Affleck, Liv Tyler, Steve Buscemi, Udo Kier, Owen Wilson und außerdem hinter der Kamera mit JJ Abrams, Michael Bay und Jerry Bruckheimer.

Sieg für Armageddon.

 

Doch es geht weiter.

Kino.de schrieb einen schönen Vergleich: Deep Impact verhält sich zu Armageddon wie Contact zu Independence Day. Während in dem einen Film viel Dialog aufgebaut wird bevor es endlich mal kracht, kracht es in dem anderen Film erst einmal eine Menge bevor jemand einen coolen Oneliner vom Stapel lässt.

In Deep Impact geht alles ein bißchen ruhiger und bedächtiger zur Sache. Robert Duvall (Jahrgang 1931) ist nun mal kein Bruce Willis (Jahrgang 1955) und hat auch nicht den Ruf, dass er durch Glasscherben laufen kann. Doch schlechter ist der Film dadurch nicht. Eigentlich glänzt er eher durch seine glaubhafteren Charaktere, die solidere Story und ist eben nicht ganz so "Michael-Bayesk". 

Dagegen kann Armageddon wieder mit dem besseren Soundtrack halten. (Aerosmith, ZZ-Top, Jon bon Jovi und Bob Seger) Deep Impact hat mit James Horner zwar einen Komponisten, der von Star Trek 2 bis Avatar so ziemlich alles Große beliefert hat, aber der Soundtrack von Armageddon stand garantiert in mehr Jugendzimmern als der von Deep Impact.

 

Insgesamt sind die beiden Filme vom Thema her sehr ähnlich, aber das Genre unterscheidet sich in vielen Punkten. Armageddon ist pures US-Action-Popcorn Kino und Deep Impact eher als das gelungene SciFi-Drama zu sehen.

 

Meiner Meinung nach Unentschieden.

 

 

Antz (1998) - Das große Krabbeln (1998)

 

Ameisen sehen alle gleich aus. Und animierte Ameisentrickfilme sowieso.

 

1998 waren die computeranimierten Filme noch was ganz Besonderes und eigentlich gab es nur Toy Story (1995) als große Vorlage.

Dreamworks und Pixar stiegen offiziell 1998 in den Ring im Kampf um den erfolgreichsten Animationsfilm. Pixar konnte bis heute mit Findet Nemo, Die Monster AG, Cars und Oben ganz groß abräumen. Doch Dreamworks muss sich nicht verstecken. Shrek hat 4 Teile + einen Spinoff und Madagaskar ist ebenfalls schon in der dritten Runde.

 

Antz ist das Werk von Dreamworks und konnte erstklassige Sprecher für sich verpflichten. Woody Allen, Sylvester Stallone, Sharon Stone, Christopher Walken, Danny Glover, Dan Akroyd, Gene Hackman, Jennifer Lopez...

Das große Krabbeln bietet da weniger Größen. Eigentlich dürfte nur Kevin Spacey wirklich jedem etwas sagen.

Erste Runde geht klar an Antz.

 

Inhaltlich unterscheiden die beiden Filme sich aber. In Antz geht es um Individualismus, welcher in einer Ameisenkolonie nicht möglich zu sein scheint, während es im Krabbeln um den Gemeinschaftssinn und den Widerstand gegen eine vermeintliche Übermacht. Der Individualismus ist hier eher eine Nebensache.

Das große Krabbeln war an den Kinokassen etwas erfolgreicher aber beide Filme waren insgesamt ein kommerzieller Erfolg und Grundstein für viele weitere Animationsfilme.

 

In meinen Augen ein Unentschieden.

 

 

Truman Show (1998) - EdTV (1999)

 

Guck mal wer da guckt.

 

Eigentlich sind die beiden sich Filme gar nicht so ähnlich, denn in der Truman Show wird der Hauptdarsteller heimlich gefilmt, während in EDtv der Protagonist ganz freiwillig vor der Kamera steht.

 

Jedoch muss man hier nicht viele Worte verlieren.

Die Truman Show ist aber eindeutig der wirkliche Platzhirsch. Der Film konnte einen Kult schaffen und wahrscheinlich auch einen Beitrag zur Big Brother Show beigeben. Jim Carrey ist hier in hochform und kann auch seine dramatische Seite ausspielen.

EDtv landet dabei bei sämtlichen Kritikern im absoluten Mittelfeld.

Die Truman Show kostete 60 Mio und spielte 264 Mio wieder ein.

EDtv kostete 80 Mio und spielte klägliche 35 Mio ein. Ergo: Ein Flop aller erster Güte.

 

Klarer Sieg für die Truman Show.

 

 

Soldat James Ryan (1998) - Der schmale Grat (1999)

 

Seit 1998 tobte wieder überall der zweite Weltkrieg. Zwei Filme lösten einen Hype aus, welcher lange Zeit anhielt.

Steven Spielberg brachte mit seinem Film eine Weltkriegslawine aus, die medial komplett ausgeschlachtet wurde. So gab es etliche Medal of Honors und Call of Dutys, die Spieler an PC und Konsole durch die Schützengräben jagten, sondern auch andere Weltkriegsfilme wie Der Untergang, Enemy at the Gates, Band of Brothers. Der Weltkrieg war am wüten wie seit den Brückenfilmen nicht mehr (Die Brücke, Die Brücke von Remagen, Die Brücke von Arnheim).

 

James Ryan und der Schmale Grat sind ähnlich wie Armageddon und Deep Impact. Bei James Ryan geht es um amerikanische Helden, die alles tun um Land und Leute gegen die Bedrohung von Außen zu verteidigen. Der schmale Grat geht da realistischer zur Sache. er Zeit den Krieg ungeschminkter. Weniger Effekte und Geknalle, aber dafür viel Kritik an Befehlswillkür und dem sinnlosen Abschlachten.

James Ryan lebt nicht so sehr von seiner Geschichte, sondern von seinen eindrucksvollen Bildern. Das Gemetzel am Omaha-Beach, der Häuserkampf und der finale Showdown gegen die übermächtigen deutschen Panzertruppen. Alles Bilder, die bis heute beeindrucken können.

Der schmale Grat zeigt sich längst nicht so. Es gibt viel Landschaft zu sehen. Hohes Gras, Sümpfe, Hügel. Irgendwo versteckt auch kaiserlichen Truppen Japans. Die Bilder sind längst nicht so bleibend wie in James Ryan, aber dafür wird die USA hier längst nicht so glofiziert. James Ryan endet mit den Stars & Stripes und einer Fanfare. Der Schmale Grat zeigt dagegen kritisch die Zerstörung von Mensch und unberührter Natur und wie die Soldaten weiter zur nächsten Insel ziehen.

 

Grob gesagt:

James Ryan - Eye-Candy

Schmale Grat - Brain-Candy

 

Beides super Filme, die eigentlich nur schwer vergleichbar sind. Deswegen ein Unentschieden von mir.

 

Einen letzen Doppelgänger habe ich aber noch

 

 

Mission to Mars (2000) - Red Planet (2000)

 

Ein neues Jahrtausend, ein neues Ziel. Auf zum Mars!

 

Ehrlich gesagt, verwechsele ich bis heute noch beide Filme untereinander. Doch um mal einmal zu klären:

Red Planet war das mit Val Kilmer, dem Killerroboter und den bösen Insekten.

Mission to Mars das mit Tim Robbins und dem Marsgesicht und den Elfenaliens.

 

Wieso eigentlich Killerroboter? Das ist vom Prinzip her total hanebüchen, dass ein Roboter wegen eines Schadens seine Schöpfer als Feinde ansieht. Warum eine Waffe auf den Mars mitnehmen!? Das ist sinnlos! Und überhaupt. Wenn ein elektronische Teil defekt ist, dann funktioniert es nicht mehr einwandfrei, aber es sieht nicht plötzlich Feinde und muss sich verteidigen. Die Story hat noch einige andere dicke Lücken, aber es soll ja keine Doktorarbeit werden.

Mission to Mars war zwar auch pseudoreligiöser Erleuchtungsquatsch, aber wenigstens haben die Aliens für das Unwahrscheinliche gesorgt.

 

„Wenn Brian DePalmas Film Mission to Mars ein Buch wäre, so hätte es einen gelben Umschlag und den Titel 2001 für Dummys.“

-Jeffrey Westhoff im Northwest Herald am 3. September 2002

 

Interessant: In beiden Filmen hieß das Mutterschiff "Mars One"

 

Red Planet war finanziell ein Flop. 80 Mio Budget stehen nur 33 Mio Einnahmen gegenüber.

Mission to Mars konnte da eher punkten und mit 100 Mio Einsatz und 110 Mio Ergebnis wenigstens gut ausgleichen.

 

Marsfilmranking:

1. Mission to Mars

2. Red Planet

3. Ghosts of Mars

 

 

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Danke.

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Kommentare: 1
  • #1

    Dennis (Dienstag, 19 März 2013 13:27)

    doppelgänger fallen mir in letzter zeit auch wieder auf.
    Nicht unbedingt von der Story aber vom Verlauf an sich.

    Tribute von Panem erinnert mich total an "batlle Royale",

    nur das TvP nich ganz so psycho ist. Stellt man die Streifen aber nebeneinander ähneln sie sich aber schon.

    Nr2 : The Raid vs. Dreed gleiche "story" anders bühnenbild aber beide gut :)
    also auch jetzt wird noch aus den 90ern fleißig geklaut